Der Retter vom Turm 4

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Dass Urlauber ihn mit »Mitch« ansprechen, bringt Mario Scheu nicht mehr aus dem Konzept. Er weiß, dass er David Hasselhoffs Rolle in »Baywatch« locker übernehmen könnte: Der 54-Jährige ist durchtrainiert, braungebrannt, versprüht den Sunnyboy-Charme.

Fürs Interview sitzt Mario Scheu oben im Rettungsturm, mit Blick über den Strand bis Neuhaus. An einem normalen Vormittag würde er sich die Rettungsboje unter den Arm klemmen und joggend auf Streife gehen. Der sportliche Ingenieur aus Sachsen-Anhalt setzt auf Prävention. »Ich warte nicht, bis etwas passiert. Ich spreche die Leute an, bevor es heikel wird.« Wenn beispielsweise Kinder auf den rutschigen Buhnen balancieren, von der Seebrücke springen wollen oder Urlauber zu weit hinaus auf die kalte Ostsee schwimmen.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen
Seit fast 40 Jahren ist Mario Scheu Rettungsschwimmer, jeden Sommer kommt er für mehrere Wochen nach Graal-Müritz und schiebt Dienste bei der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Wasserretter ist nicht der Rede wert. Scheu opfert seinen Urlaub, weil es ihm Spaß macht. Und: »Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Jeder muss seinen Beitrag leisten.«

Keine ruhige Minute
Von 9 bis 18 Uhr ist der Rettungsturm besetzt, in der Hauptsaison mit 13 Freiwilligen. Ihr Revier: sechs Kilometer Strand, auf dem sich Zehntausende Badegäste tummeln – und natürlich auch mal in die Bredouille kommen. Kinder verlaufen sich, Urlauber schneiden sich an Muscheln, treiben mit der Luftmatratze ab. An manchen Tagen gibt es keine ruhige Minute, da geht es Schlag auf Schlag. Das Schlimmste hat Mario Scheu nie erlebt. Kein Mensch ist in seiner Schicht ertrunken. »Darauf bin ich ein bisschen stolz, denn das ist unser höchstes Ziel.«

Kindersuchband
Der Strand ist lang und die Strandkörbe sehen alle gleich aus – da verlaufen sich Knirpse in Nullkommanichts. Mit dem kostenlosen Kindersuchband kann das nicht passieren. Die nummerierten Silikonbändchen gibt es an allen Rettungsstationen der DLRG. Zu jeder Nummer notieren sich die Rettungsschwimmer die Kontaktdaten der Eltern, so können sie das Kind im Falle des Falles schnell zurückbringen.