Von tief unten

Alte Eichen, Flieder, Sitzbänke: Nach den Bauarbeiten wird der Innenhof mindestens so schön wie vorher. Weil ́s keinen großen Durchgang zum Hof gibt, wird ein Kran die Kunststoffrohre und das Bohrgerät über die WIRO-Dächer hieven. FOTO: DOMUSIMAGES

Die Energietochter der WIRO lässt auf dem grünen Innenhof zwischen Bremer und Kieler Straße fast 100 Sonden in die Erde bohren – und beheizt bald 253 Wohnungen im Hansaviertel CO2-neutral mit Geothermie.

Die Wiese wächst, wie sie will, auf dem riesigen Hof zwischen Bremer und Kieler Straße. Rasenmähen: unmöglich. Zwischen Klee, Löwenzahn und Gräsern ragen alle paar Meter blau gefärbte Holzlatten aus dem Boden. In den nächsten Wochen ist auf dem grünen Innenhof was los: Die Energietochter der WIRO lässt fast 100 Sonden in die Erde bohren – und beheizt bald 253 Wohnungen im Hansaviertel CO2-neutral mit Geothermie.

Erdwärmenutzung im Bestand und dann so groß geplant – das sorgt in der Wohnungsbranche für Staunen
Ingolf Wenzel, Geschäftsführer der WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen, zeigt auf kleine Erdhaufen überall. Der Munitionsbergungsdienst ist abgezogen. »Spezialisten haben die gesamte Fläche untersucht. Alles in Ordnung, im Boden liegen keine Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg.« Die Weichen für das neuste Projekt der WIRO-Energietochter sind gestellt: Bis Sommer 2021 will die WIR das Quartier im Hansaviertel auf Geothermie umstellen.

Erdwärmenutzung im Bestand und dann so groß geplant – das sorgt in der Wohnungsbranche für Staunen. »So etwas ist woanders kaum möglich, erst recht nicht mitten in der Stadt, weil man viel Platz für die Sonden benötigt.« Der Innenhof des Karrees Kieler/Bremer/Lüneburger/Kopernikusstraße und Platz der Freiheit ist mit rund 4.500 Quadratmetern perfekt. 98 Erdwärmesonden bringen Bauarbeiter in diesem Sommer in den Boden, überall dort, wo jetzt die Holzlatten stecken. 116 Meter tief bohren sie und platzieren dünne Kunststoffrohre in den Löchern. Die sind mit Transportflüssigkeit gefüllt und leiten die Wärme aus dem Erdreich zu acht Wärmepumpenanlagen in den Kellern, die später alle Häuser versorgen.

Etwa 70 Prozent der benötigten Wärme kommt aus dem Erdreich an Ort und Stelle
Im Herbst baut die WIR die alten Gasthermen in den Wohnungen aus, schließt Aufgang für Aufgang an die neuen Heizstationen an. Moderne Entlüftungsanlagen – sie nutzen über Wärmerückgewinnung die Abwärme aus den Wohnungen – heizen zusätzlich. »Nur an kalten Tagen springt ein Spitzenlastkessel an und heizt mit klimaneutralem Gas zu.« Etwa 70 Prozent der benötigten Wärme kommt aus dem Erdreich an Ort und Stelle. Eine vorbildliche Ökobilanz. Selbst der Strom für die Wärmepumpen kommt zum großen Teil von Fotovoltaikanlagen auf den Dächern.

Hintergrund
Die WIR betreibt alle zentralen Heizungsanlagen der WIRO Wohnen in Rostock, die ausschließlich Gas als Brennstoff nutzen. Die Tochterfirma übernimmt die Betriebsführung, Instandhaltung und Wartung. Stück für Stück tauscht sie die alten Anlagen gegen effiziente und umweltfreundliche Technik aus. Nur noch Bio: Die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen heizt nur noch mit klimaneutralem Erdgas.