Schmatzen an der Warnow

Das Ludewigbecken trennt die Holzhalbinsel von der Silohalbinsel im Westen. Auch vis-à-vis vom InselQuartier wird kräftig gebaut.

Behutsam taucht die Baggerschaufel in die Warnow. Grundberührung. An kleinen Hebeln dirigiert der Fahrer die mächtige Technik. Dass Ponton unter ihm ruckelt. Heben. Schwenken. Mit einem Schmatzer klatscht die schlammige Ladung an Land. Runde um Runde geht das so, seit Tagen. Das Ludewigbecken im Stadthafen erhält auf einer Länge von 180 Metern eine neue Uferpromenade.

Mitte 2018 ist alles fertig, sagt Hafenkapitän Giesbert Ruhnke. »Außerdem gibt es Platz für einen Schwimmsteg als Bootsanleger.« Und die verschwundene Fußgängerbrücke? »Wir brauchen Platz auf der Baustelle. Nach Abschluss der Arbeiten wird sie wieder montiert und verlängert. Das Provisorium auf der Westseite verschwindet.«

Nach den Abbruch- und Baggerarbeiten wird Achtern und Backbord eine Spundwand gerammt und mit langen Ankern festgezurrt. Später setzen Spezialisten 22 Meter tiefe Gründungspfähle, die eine Stahlbetonplatte tragen – sozusagen den Unterbau für die gepfl asterte Promenade.

Wenn die Bänke stehen, wird am Ludewigbecken wohl wieder geschmatzt, aber nur ganz leise beim Picknick. Die städtische Baustelle markiert den einstigen Flusslauf der Warnow. Schiff szimmerleute, Schmiede, Segelmacher, Takler und Blockmacher bauten und reparierten hier Holzfrachter. Schiffbaumeister Otto Ludewig lieferte 1854 die erste Brigg ab. Mit der Verlegung der Unterwarnow (1911 - 1913) und dem Bau der Petribrücke entstand die Holzhalbinsel. Zu DDR-Zeiten wurden auf dem Gelände Fischkutter repariert, hatten Hafen- und Wasserbauer ihren Sitz. Die einstigen Werkstätten sind schon vor Jahren verschwunden. Spuren der Werft finden sich in Schmarl: Im Schiffbaumuseum hält die Ludewigsche Slipanlage Rostocker Schiffbaugeschichte lebendig.