Werftdreieck: So wird Rostock leben

Quelle: Planungsbüro Albert Wimmer aus Wien

Ein moderner Stadtpark, wachsende Parkhäuser und Mobilität zum Ausleihen, lauschige Innenhöfe mit Mietergärten, viel Raum für gute Nachbarschaft: ein Gespräch mit Architekt Michael Frischauf über das neue Werftdreieck.

Was unterscheidet das Werftdreieck von anderen Neubau-Quartieren?

Lange Zeit ging es beim Städtebau darum, möglichst viel Wohnraum auf wenig Fläche unterzubringen. Das ist beim Werftdreieck der WIRO anders: Freiräume sind kein Beiwerk, sondern wesentlicher Bestandteil. Orte der Begegnung für alle Generationen und Grünraum dürfen in einem lebendigen Quartier nicht fehlen. Das verkehrsberuhigte Quartier bietet für alle Rostocker einen Mehrwert. Herzstück ist der zweieinhalb Hektar große, öffentliche Werftpark. Er wird regional typisch bepflanzt mit Wiesen, Heidelandschaft und Mischwald. In der Mitte fließt ein Bach: Der Kayenmühlengraben wird wieder ans Tageslicht geholt und mit naturnah bepflanzten Böschungen, Holzdecks und Terrassen zur Erholungszone umgestaltet.

Die Innenhöfe – für jeweils etwa 70 Wohnungen - dagegen sind eher intim und den Nachbarschaften vorbehalten. Wir wünschen uns, dass sich hier die Bewohner treffen und Hofgemeinschaften entstehen. In jedem Hof gibt es einen Spielplatz für Kleinkinder in Rufweite von allen Wohnungen. Im Werftpark planen wir eine Spielfläche für 7- bis 13-Jährige und einen Mehrgenerationenspielplatz auch für Erwachsene. Die Jugendlichen sollen ihren Freizeitbereich auf dem Dach des Parkhauses bekommen, etwas abseits vom Wohngebiet. Dort stören sie keinen, wenn es mal laut wird. Es geht am Ende darum, alle Bedürfnisse zu bedienen.

Beim Bürgerdialog im Juni gab es viel Lob, aber auch Kritik. Einige Rostocker fürchten, dass die geplanten 800 Stellplätze für 750 Wohnungen nicht ausreichen.

In vielen Städten geht die Pkw-Nutzung seit Jahren zurück. In der Hamburger Hafencity beispielsweise kommen 40 Stellplätze auf 100 Wohneinheiten. Diese Entwicklung wollen wir auch in Rostock unterstützen und Leute dazu bewegen, aufs private Auto zu verzichten. Das Werftdreieck ist perfekt an S- und Straßenbahn angebunden, man kommt zu Fuß oder auf dem Rad durch die Stadt. Geplant sind Leihstationen für nachhaltige Mobilität: Elektroautos,  Lasten- und normale Fahrräder. Dahinter steht die Idee, etwas zu nutzen, ohne es zu besitzen. Wir wollen im ersten Schritt sogar weniger als 800 Stellplätze bauen. Allerdings sind die beiden Parkhäuser so geplant, dass sie mitwachsen, also bei Bedarf aufgestockt werden können.   

Apropos Ökologie: Das Werftdreieck soll einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wie?

Das gelingt zum einen durch den hohen Grünraum-Anteil. Der wirkt sich positiv auf das Mikroklima der gesamten Umgebung aus. Wir pflanzen nicht nur viele unterschiedliche Bäume im Park und den Höfen neu an, sondern erhalten auch die Bestandsbäume.

Erneuerbare Energien sollen den ökologischen Fußabdruck klein halten und die Kosten für die Mieter senken. Möglich sind Geo- und Solarthermie oder Brauchwasserspeicher.

Was die Rostocker am meisten interessiert: Wie werden denn die Wohnungen aussehen?

Die Grundrisse sind noch nicht im Detail geplant. Fest steht: Es wird vielfältige Wohnformen geben. Ob für Singles oder für große Familien. Bereiche für studentisches Wohnen sind vorgesehen und ein Wohnpflegekonzept für Senioren. Jeder Mieter hat seinen Freiraum: auf der Loggia, Balkon oder im Mietergarten. Die Grundrisse werden gut durchdacht, so müssen wir beispielsweise die Lärmsituation berücksichtigen: Alle Schlafräume zeigen zum begrünten Innenhof, Loggien zur Straße bekommen einen Schallschutz.

Wie geht es weiter und wann können die Mieter einziehen?

Auf Basis des Funktionsplanes wird der Bebauungsplan aufgestellt – und hoffentlich im kommenden Frühjahr in der Bürgerschaft beschlossen. Dann soll die Erschließung beginnen. Anfang 2019 könnte Startschuss für den Hochbau sein, im ersten Bauabschnitt entsteht ein Musterquartier mit etwa 200 Wohneinheiten. Dieses dient als Vorlage für die Hochbauwettbewerbe für die weiteren Bauabschnitte. 200 Wohneinheiten, also jeweils ein in sich abgeschlossenes Quartier, pro Jahr sind realistisch. Wenn alles nach Plan läuft, ist das Werftdreieck 2023 fertig.

Sie haben schon Quartiere für mehrerer Tausend Bewohner geplant. Ist das Werftdreieck trotzdem ein spannendes Projekt für Sie?

Mir gefällt der dialogorientierte Weg, den die WIRO in Rostock geht. Das Werftdreieck wird nicht an den Bedürfnissen vorbei, sondern gemeinsam mit den Rostockern entwickelt. Während des gesamten Prozesses finden öffentliche Treffen statt, auf denen Rostocker Fragen stellen und sich einbringen können. Stadtplanung funktioniert am besten mit öffentlicher Partizipation. Beim letzten Bürgerdialog in Juni habe ich deutlich gespürt, dass unsere Visionen die Leute begeistern.

Das Baugebiet, mitten in der Stadt und lärmbelastet, ist herausfordernd. Mich reizt auch der historische Kontext, mit der Neptunwerft und der Außenstelle der Heinkelwerke. Diese Spuren in einem modernen Quartier sichtbar zu machen, war uns wichtig.    

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Informationen und ein Video zur späteren Gestaltung finden Sie hier: www.werftdreieck-rostock.de.