Müllsünden auf der Spur

Klar Schiff: Bernd Blockus und Gerald Preuß sind nicht zimperlich. Mit Besen und Schaufel entsorgen sie Müll in die richtigen Tonnen. Foto: Jens Scholz

Papier, Tetra-Paks und Essensreste sauber trennen: Laut Umfrage sind die Bundesbürger akribische Sammler und Verwerter. Tatsächlich jedoch gehören alte Schuhe im Restmüll oder Hühnerknochen in der Papiertonne zum Alltag. Die WIRO-Abfallmanager machen täglich klar Schiff auf Rostocker Müllplätzen.

In der Mülltrennung sind die Deutschen Weltmeister. Sauber getrennt wandern Wertstoffe oder Abfälle in braune, gelbe, blaue und graue Tonnen: 87 Prozent halten Recycling für wichtig, so das Ergebnis einer Studie des Umweltbundesamtes. Und tatsächlich: Jahr für Jahr wird mehr Abfall wiederverwertet.

Dennoch klafft zwischen Umfrageergebnissen und alltäglichen Müllsünden eine auffällige Lücke. „Mülltrennung", sagt Bernd Blockus, „ist noch lange nicht für jeden selbstverständlich." Seine Erfahrung: „Als Abfallmanager darfst du nicht zimperlich sein." Auf 90 WIRO-Müllstellplätzen sortieren er und Gerald Preuß nachlässig getrennten Abfall. Da kommt einiges zusammen: Schranktüren und alte Schuhe stecken zwischen Restmüll, das letzte Stück vom Sonntagsbraten in der Papiertonne und Zeitungen in der Biobox. Jede Tüte nehmen sich die Müllmanager deshalb einzeln vor, sortieren um: „Liegt am Ende alles in den richtigen Tonnen, bleibt oft nur noch ein kleiner Haufen Restmüll übrig." Wertstoffe werden nämlich nur recycelt, wenn sie vorher sortenrein getrennt wurden. Und das zahlt sich für die Mieter des Wohnungsunternehmens aus: Jede Restmülltonne kostet extra, Wertstofftonnen nichts.

Mehr als zehn Prozent der kalten Betriebskosten fließen durchschnittlich in die Hausmüllentsorgung. Vor mehr als drei Jahren hat der erste WIRO-Mülloptimierer seinen Dienst in Dierkow angetreten. Heute sorgen fünf Abfallprofis auch in Toitenwinkel, Lichtenhagen, Groß Klein und Schmarl für Ordnung.

Natürlich, sagt Gerald Preuß, gibt es auch viele vorbildliche Hausgemeinschaften, bei denen er und die Kollegen fast gar nicht nachsortieren müssen. „Da sehen die Müllplätze picobello aus." Andere kann er nur mit Mundschutz betreten. Der 54-Jährige zeigt Fotos auf seinem Handy, von aufgerissenen Müllsäcken, aus denen Hühnerknochen und volle Windeln quellen. „Wenn Mieter die Deckel nicht zumachen oder die Säcke auf die Erde stellen, kommen die Tiere." Mit Schaufel und Besen gehen Gerald Preuß und Bernd Blockus dann ans Werk, räumen dazu noch illegalen Sperrmüll weg.

Jeder Bundesbürger entsorgt statistisch gesehen 600 Kilo Müll pro Jahr. An den Arbeitsplätzen der Abfallmanager ist die Restmüllmenge innerhalb eines Jahres um fast ein Drittel gesunken. Dafür hat die WIRO mehr gelbe Tonnen bestellt. „Und es werden garantiert noch mehr", ist sich Blockus sicher.