Lust auf Schmökern

Linda und ihre Lesepatin Franka Marie Becker. Foto: Alexander Rudolph

Ferientage durchschmökern, nachts heimlich unter der Bettdecke weiterlesen, mitfiebern, lachen und weinen – das war früher die Welt von Sarah Rosinski und Franka Marie Becker. Dass viele Kinder heute mit Büchern nur wenig anfangen können, grämt die beiden jungen Frauen. Darum haben sie den Verein »Lesemöwe« gegründet.

Vor eineinhalb Jahren hatten die Beiden eine Idee: Studenten übernehmen Lesepatenschaften für Grundschüler, um bei den Lütten die Liebe für Schmöker zu wecken. »Wir denken, dass Studenten ein gutes und glaubwürdiges Vorbild für die Kinder sind«, sagt Sarah Rosinski, die 26-Jährige studiert Nutztierwissenschaften.

Geneigte Kommilitonen waren schnell gefunden – auch wenn sie für ihr Ehrenamt keinen Cent bekommen. Wie ein großer Bruder oder eine große Schwester kümmert sich der Pate um seinen Schützling. Sie lesen einander vor und sprechen über die Bücher. »Das fördert die Lesekompetenz und das Selbstbewusstsein.« Und vor allem eröffnet es den Jungen und Mädchen Fantasiewelten fernab von TV und Tablet. »Meist holen wir die Kinder von der Schule ab und verbringen den Nachmittag zusammen«, erklärt Franka Marie Becker. Mit ihrem eigenen Schützling Linda war sie schon im Zoo, im Park, in der Stadtbibliothek. Sie haben zusammen gekocht und gefilzt. Natürlich immer dabei: Bücher. »Mir fällt es heute viel leichter, in der Klasse laut vorzulesen und frei zu sprechen«, sagt die Elfjährige.

Seit Anfang des Jahres sind die »Lesemöwen« ein Verein. »So können wir Spenden annehmen, um kleine Veranstaltungen auszurichten, die Homepage auszubauen oder neue Bücher zu kaufen.« Die WIRO unterstützt die Arbeit.

So kommt eine Patenschaft zustande: Auf www.lesemoewe.de ist ein Anmeldebogen veröffentlicht – den müssen die Eltern ausfüllen. Ist ein passender Lesepate gefunden, lernen sich der Student und die Familie des Kindes erst einmal kennen. Wenn die Chemie stimmt, treffen sich Pate und Leseschüler regelmäßig.